Bei Schmerzen an der Außenseite der Hüfte wird schnell die Diagnose Schleimbeutelentzündung (Bursitis trochanterica) gestellt. Nicht selten folgt darauf eine Behandlung mit Schmerzmitteln, Kortisoninjektionen oder sogar die Überlegung einer Operation.

Die aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass der Schleimbeutel häufig gar nicht die eigentliche Ursache der Beschwerden ist. Stattdessen handelt es sich in vielen Fällen um das sogenannte Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS) – ein komplexes Beschwerdebild, bei dem neben dem Schleimbeutel vor allem die Sehnen der Gesäßmuskulatur sowie umliegende Muskeln und Faszien beteiligt sein können. Genau deshalb reicht es oft nicht aus, ausschließlich die Entzündung zu behandeln. Entscheidend ist vielmehr, die Ursachen der Überlastung zu erkennen und langfristig zu beheben.

Was ist ein Schleimbeutel überhaupt?

Schleimbeutel (Bursae) sind kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Polster, die überall dort vorkommen, wo Muskeln, Sehnen oder Bänder über Knochen gleiten. Ihre Aufgabe besteht darin, Reibung zu reduzieren und Bewegungen geschmeidiger zu machen.

An der Außenseite der Hüfte befindet sich der Schleimbeutel über dem großen Rollhügel des Oberschenkelknochens (Trochanter major). Kommt es zu einer erhöhten mechanischen Belastung, kann dieser gereizt werden und Schmerzen verursachen.

Heute weiß man jedoch, dass eine isolierte Schleimbeutelentzündung vergleichsweise selten ist. Bildgebende Untersuchungen zeigen vielmehr, dass häufig gleichzeitig Veränderungen der Sehnen des Gluteus medius oder Gluteus minimus bestehen. Aus diesem Grund wird heute zunehmend der Begriff Greater Trochanteric Pain Syndrome (GTPS)verwendet, da er das gesamte Beschwerdebild besser beschreibt (Fearon et al., 2013).

Warum entstehen Schmerzen an der Außenseite der Hüfte?

In den meisten Fällen entwickeln sich die Beschwerden schleichend über Wochen oder Monate. Häufig liegt keine einzelne Verletzung vor, sondern eine Kombination verschiedener Faktoren.

Dazu gehören unter anderem:

  • eine verminderte Kraft der Gesäßmuskulatur
  • eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte
  • erhöhte Spannung der umliegenden Muskulatur
  • langes Sitzen und Bewegungsmangel
  • ungewohnte sportliche Belastungen
  • Lauftraining mit hoher Belastung
  • ungünstige Bewegungsmuster oder eine verminderte Beckenstabilität

Ist insbesondere der Gluteus medius nicht ausreichend belastbar, muss das umliegende Gewebe mehr Arbeit übernehmen. Dadurch steigt die mechanische Belastung auf die Sehnen und den Schleimbeutel. Langfristig können Schmerzen entstehen.

Die Ursache liegt häufig nicht im Schleimbeutel

Lange Zeit galt die Schleimbeutelentzündung als Hauptursache für Schmerzen an der Außenseite der Hüfte. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zeigen jedoch ein anderes Bild.

Eine Übersichtsarbeit von Fearon und Kollegen konnte zeigen, dass viele Betroffene eher Veränderungen der Sehnen des Gluteus medius und minimus aufweisen als eine isolierte Entzündung des Schleimbeutels. Auch internationale Experten empfehlen deshalb, Schmerzen an der Außenseite der Hüfte nicht ausschließlich als Schleimbeutelentzündung zu betrachten, sondern den gesamten Hüft-Becken-Komplex zu untersuchen (Fearon et al., 2013; Grimaldi et al., 2022).

Diese Erkenntnis ist entscheidend. Denn wenn die eigentliche Ursache beispielsweise in einer unzureichenden Kraft der Gesäßmuskulatur oder einer eingeschränkten Beweglichkeit der Hüfte liegt, reicht es nicht aus, lediglich die Entzündung zu behandeln.

Warum eine Operation häufig nicht die erste Wahl ist

Bei anhaltenden Beschwerden stellen sich viele Betroffene die Frage, ob eine Operation notwendig ist.

Die gute Nachricht: In den allermeisten Fällen lautet die Antwort nein.

Internationale Leitlinien empfehlen zunächst konsequent konservative Maßnahmen. Operationen kommen in der Regel erst dann infrage, wenn Beschwerden trotz einer ausreichend langen konservativen Therapie bestehen bleiben oder größere Sehnenverletzungen vorliegen (Grimaldi et al., 2022).

Auch Kortisoninjektionen können Schmerzen kurzfristig reduzieren. Studien zeigen jedoch, dass der langfristige Erfolg häufig geringer ausfällt als bei einer strukturierten Bewegungstherapie. Deshalb sollten Injektionen eher als unterstützende Maßnahme und nicht als dauerhafte Lösung betrachtet werden.

Triggerpunktbehandlung: Spannung im Gewebe reduzieren

Viele Personen mit Schmerzen an der Außenseite der Hüfte weisen gleichzeitig eine erhöhte Spannung der Gesäßmuskulatur, des Tractus iliotibialis oder der umliegenden Hüftmuskulatur auf.

Eine gezielte Triggerpunktbehandlung kann helfen, diese Spannung zu reduzieren und die Gleitfähigkeit des Gewebes zu verbessern. Dadurch lässt sich die mechanische Belastung auf die schmerzhaften Strukturen häufig verringern.

Wichtig ist jedoch: Triggerpunktbehandlung ersetzt keine aktive Therapie. Sie schafft vielmehr die Grundlage dafür, dass sich Gelenke anschließend wieder freier bewegen lassen und Übungen angenehmer durchgeführt werden können.

Genau diesen Ansatz verfolgt auch unser „Triggerpunkte & Faszien Guide„. Er zeigt Schritt für Schritt, wie Triggerpunkte sicher behandelt werden können und welche Muskelgruppen bei Beschwerden an Hüfte und Gesäß besonders häufig beteiligt sind.

Mobility verbessert die Bewegungsqualität

Nach der Reduktion erhöhter Spannung sollte die neu gewonnene Beweglichkeit aktiv genutzt werden.

Gerade bei Beschwerden an der Außenseite der Hüfte spielt die Beweglichkeit der Hüfte selbst eine zentrale Rolle. Einschränkungen der Innenrotation, Außenrotation oder Hüftstreckung führen häufig dazu, dass Bewegungen über andere Strukturen kompensiert werden. Dadurch steigt die Belastung auf die Sehnen und den Schleimbeutel.

Mobility-Training verfolgt deshalb das Ziel, Gelenke kontrolliert durch ihren gesamten Bewegungsumfang zu bewegen und gleichzeitig Kraft in den Endpositionen aufzubauen. So verbessert sich nicht nur die Beweglichkeit, sondern auch die Kontrolle über diese Bewegung.

Unser „Mobility Guide“ enthält über 139 wissenschaftlich fundierte Übungen sowie komplette Routinen für Hüfte, Becken und Lendenwirbelsäule. Ziel ist es, die Bewegungsqualität nachhaltig zu verbessern und Kompensationsmuster langfristig zu reduzieren.

Langfristig entscheidet die Kraft

So wichtig Triggerpunktbehandlung und Mobility auch sind – langfristig entscheidet vor allem die Belastbarkeit des Gewebes darüber, ob Beschwerden dauerhaft verschwinden oder zurückkehren.

Besonders der Gluteus medius übernimmt eine zentrale Aufgabe bei der Stabilisierung des Beckens. Ist dieser Muskel zu schwach, erhöht sich die Belastung auf die umliegenden Sehnen und den Schleimbeutel. Gleichzeitig können auch der Gluteus maximus sowie die tiefe Rumpfmuskulatur entscheidend dazu beitragen, Bewegungen besser zu kontrollieren und die Hüfte zu entlasten.

Eine aktuelle Netzwerk-Metaanalyse zeigte, dass gezieltes Training und Bewegungstherapie zu den wirksamsten konservativen Maßnahmen beim Greater Trochanteric Pain Syndrome gehören und sowohl Schmerzen als auch die Funktion nachhaltig verbessern können (Liu et al., 2025).

Wer gezielt Kraft aufbauen möchte, sollte dabei auf eine saubere Übungsausführung und einen strukturierten Trainingsaufbau achten. Genau dabei unterstützt unser „Technik Guide„. Er erklärt die wichtigsten Kraftübungen im Fitnessstudio Schritt für Schritt, vermittelt die korrekte Ausführung und enthält komplette Trainingspläne für unterschiedliche Trainingsziele.

Für alle, die lieber zu Hause trainieren, bietet unser „Home Workout Guide“ eine umfassende Alternative. Mit über 80 Übungen, strukturierten Trainingsplänen und einem vollständigen 4-Wochen-Trainingsprogramm lässt sich die Muskulatur auch ohne Fitnessstudio gezielt kräftigen und die Stabilität von Hüfte, Becken und Rumpf nachhaltig verbessern.

Bewegung beginnt nicht erst beim Sport

Selbst das beste Trainingsprogramm kann einen bewegungsarmen Alltag nur begrenzt ausgleichen.

Gerade Personen mit überwiegend sitzender Tätigkeit profitieren davon, regelmäßig ihre Position zu wechseln, kurze Spaziergänge einzubauen oder den Arbeitsplatz möglichst dynamisch zu gestalten.

Auch kleine Mobility-Einheiten über den Tag verteilt können dazu beitragen, die Beweglichkeit der Hüfte zu erhalten und die Belastung einzelner Strukturen zu reduzieren. Häufig sind es genau diese regelmäßigen Bewegungsreize, die langfristig den größten Unterschied machen.

Wann sollte ärztlicher Rat eingeholt werden?

Nicht jede Hüftschmerz ist harmlos. Treten starke Schmerzen nach einem Sturz, deutliche Bewegungseinschränkungen, eine ausgeprägte Schwellung oder anhaltende Beschwerden trotz konservativer Maßnahmen auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Nur so können andere Ursachen wie Frakturen, entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder schwerwiegendere Sehnenverletzungen ausgeschlossen werden.

Fazit

Schmerzen an der Außenseite der Hüfte werden häufig vorschnell als Schleimbeutelentzündung bezeichnet. Die aktuelle Forschung zeigt jedoch, dass oft der gesamte Hüft-Becken-Komplex betroffen ist und insbesondere Veränderungen der Gesäßsehnen sowie eine verminderte Belastbarkeit der umliegenden Muskulatur eine entscheidende Rolle spielen.

Deshalb sollte die Behandlung nicht ausschließlich auf den Schleimbeutel abzielen. Eine Kombination aus Triggerpunktbehandlung, gezieltem Mobility-Training, langfristigem Kraftaufbau und einem bewegungsreichen Alltag bietet die besten Voraussetzungen, die Ursachen der Beschwerden nachhaltig anzugehen.